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Das Stübchen

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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 412 mal aufgerufen
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  Kurzgeschichten
mopo Offline




Beiträge: 3.406

30.12.2012 00:05
#1 Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

Es ist eine Geschichte, die mir, mopo, am Herzen liegt: So traurig, so wahr und so lebensnah, wenn wir alle mal in uns gehen, darüber nachdenken und erkennen, dass die kleinste Hoffnung in uns wieder Leben erwecken kann... Aber lest selbst:

Es war einmal eine kleine Frau, die einen staubigen Feldweg entlanglief. Sie war offenbar schon sehr alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.
Bei einer zusammengekauerten Gestalt, die am Wegesrand saß, blieb sie stehen und sah hinunter.
Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Decke mit menschlichen Konturen.
Die kleine Frau beugte sich zu der Gestalt hinunter und fragte: "Wer bist du?"
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.
"Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.
"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja aber…", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
"Ich…, ich bin traurig", sagte die graue Gestalt.
Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
Die Traurigkeit seufzte tief.
"Ach, weißt du", begann sie zögernd und auch verwundert darüber, dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."
Die Traurigkeit schluckte schwer.
"Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: ‘Papperlapapp, das Leben ist heiter.’ und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: ‘Gelobt sei, was hart macht.’ und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: ‘Man muss sich nur zusammenreißen.’ und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: ‘Nur Schwächlinge weinen.’ und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."
"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet…"
Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."
Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
"Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."
Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:
"Aber…, aber – wer bist eigentlich du?"
"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd. "Ich bin die Hoffnung."

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Ein Snob ist einer, der sich die Petersilie durch Fleurop schicken lässt.

Annita Offline

Ehrenmitglied


Beiträge: 18.916
Punkte: 652

30.12.2012 12:00
#2 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

die gefällt mir gut. danke.

_____________________
Engel
können fliegen weil sie sich selbst nicht so schwer nehmen.

Marion Offline




Beiträge: 4.457
Punkte: 963

30.12.2012 12:10
#3 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

Schööön! Danke!

Shadow Offline




Beiträge: 3.664
Punkte: 9

30.12.2012 17:40
#4 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

für die schöne Geschichte! Ich kenne sie schon, doch es ist immer wieder schön, sie zu lesen!

Liebe Grüße von
Shadow

Schmitti Offline

Ehrenmitglied


Beiträge: 23.636
Punkte: 3.214

31.12.2012 17:05
#5 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

...wie schön......

Betty ( gelöscht )
Beiträge:

31.12.2012 18:59
#6 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

Eine wirklich sehr lebensnahe Geschichte.
Ungeweinte Tränen z.B. hinterlassen Narben auf der Seele... Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!!! Daran sollte man immer denken und auch glauben!

Capitano Offline

Moderator
Ehrenmitglied


Beiträge: 18.180
Punkte: 12.145

06.01.2013 22:55
#7 RE: Das Märchen von der traurigen Traurigkeit... Zitat · antworten

Traurig und schön zugleich.

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Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.

Mark Twain

Lieben Gruß vom Capi.

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