Habe eine Sache an der ich zu kauen habe, die ich verarbeiten muss, weil ich sie gestern persönlich erlebt habe.
Ich bin als Stationsleitung auf dem Wohnbereich eines Pflegeheimes, die "besser Gestellten" nehmen ihr Abendessen im Spesieraum ein. Gerade, als ich dabei bin, jemanden, der im Bett liegt und das selbst nicht mehr kann, das Essen zu reichen, schreit es über den Gang: "Komm mal schnell runter! Im Speisesaal ist was passiert!" Also, lieber Bewohner, dein Essen bekommst du leider etwas später. Ich gehe nach unten in den Speiseraum. Da sitzt einer am Tisch (ein Wunder, dass er noch sitzt) und ist sieht SCH... aus. Eigentlich sieht der tot aus. "Was ist passiert?" frage ich. Antwort meiner Kollegin. "Er hat sich verschluckt und bekommt keine Luft." Ich sehe auf den ersten Blick, dass da nicht mehr viel zu machen ist. (Dieses Vorkommnis nennt man Bolusgeschehen bzw. Bolustod - wenn jemend sich an einem so großen Batzen verschluckt, dass er nicht erstickt, sondern die Größe des Brockens auf den Vagusnerv (Parasympathikus) drückt und somit den sofortigen Herzstllstand auslöst). Also ganz schnell mit Hilfe von herbeigeholten Kollegen den armen Kerlen aus dem Speisesaal gezerrt (er saß ja noch auf dem Stuhl). Ersthilfemaßnahmen und Heimlich- Handgriff - null Chance - kein Puls, keine Atmung, Pupillen lichtstarr) Wir haben ihn dann im nächst freien Raum auf den Fußboden gelegt und mit der Reanimation begonnen. Also so gut es geht, Atemwege freimachen, 2x beatmen 30 x Herzdruckmassage. Vorher hatte ich mit der 112 den Rettungsdienst dringlich angefordert. Ehe der da war, waren wieder 15 min verstrichen - keine Lebenszeichen. Der Notarzt hat natüerlich die ausgefeiltere Technik und Mit Hilfe von Tubus und Zange einen kinderfaustgroßen angekatschten Brotklumpen aus der Luftröhre befördert (der hing so tief, den hätten wir manuell nie herausbekommen). Sie führten die Wiederbelebung fort und unterstützten diese Maßnahme mit der intravenösen Gabe von Adrenalin und Sauerstoffbeatmung per Intubation. Mittlerweile waren seit Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen über 30 min verstrichen. Der Niotarzt wollte eben abbrechen, da sagte sein Assistent: "Ich habe hier einen Puls." Nach über 30 Minuten! Die Pupillen waren immer noch trüb, lichtstarr und weit - also das Gehirn tot. Ich fragte den Azrt: "Ist das nun für Sie ein Erfolgserlebnis?" Antwort: "Dass wir ihn wieder geholt haben, ja. Aber IHM haben wir keinen Gefallen getan." Ich habe mich nicht getraut zu fragen: "Und warum tun Sie das dann?" Er liegt jetzt im Krankenhaus auf der Intensivstation. Sie haben ihm dort weitere diverse und unterschiedlich große Speisereste aus der Lunge gefischt. Sollte er das überstehen wird sich sein weiteres "Leben" auf der Komastation abspielen. Sein Gehirn ist und bleibt tot. Der Mann ist knapp 70 Jahre alt, hat keine Angehörigen und lebte im Betreuten Wohnen. War es das wert? Ist so ein Kampf um gute Statistik noch mit menschlicher Würde vereinbar? Ist ein zwar schrecklicher, aber schneller Tod nicht würdevoller, als wenn sie in Zukunft die Pflegekassen um jeden Cent streietn, ob etwas an Hilfsmitteln bewilligt wird oder nicht. Jetzt kostet der arme Erdenbürger doch erst richtig Geld! Könnt ihr euch vorstellen, dass mir der arme Mensch Leid tut, weil er wieder leben muss? Er war ja schon tot - und ein Teil von ihm wird nie wieder lebendig! Wenn sich diese Szene vor meinem Auge abspielt, ist mir ganz komisch.
...das ist eine echt harte Geschichte, berührt sie doch die Grenze des technisch machbaren und des moralisch Vertretbaren.
Ich habe etwas ähnliches bei meiner Mutter erlebt. Auch sie fiel ins Koma. Doch sie hatte eine Patientenverfügung und dementsprechend konnten wir Geschwister entscheiden, die Maschinen abzustellen. - In deinem Fall bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass es doch bald zu Ende geht.
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Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.
Der Arzt meiner Oma hatte allerdings ein Herz - angeblich blieb plötzlich Ihr Herz stehen
So möchte wohl keiner enden !
----------------------------------------------------------------------------- Es einen jeden Menschen Recht zu machen - Ist eine Kunst die kann keiner schaffen !
Oh Mann, harter Tobak........ Man kann sich streiten über Sinn und Unsinn von Wiederbelebungsmaßnahmen. Ich würde SO nicht "weiterleben" wollen.......
Auch ich kenne so einen Fall im Pflegeheim meines Vaters - die alte Dame hat keine Angehörigen mehr, also vegetiert sie so lange vor sich hin bis ihr Herz irgendwann aufgibt. Grauenvoll das anzusehen - sie ist am ganzen Körper blau. Aber wer soll Entscheiden??
********************************************** Wo kämen wir hin, wenn jeder fragte "wo kämen wir hin" und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?
Gandi es stimmt ein Herz kann plötzlich aufhören zu schlagen. Ein Mensch kann ein fach vergessen weiter zu atmen und stirbt. Manchmal ist das Gift der Wunden das zum Tot führt. Wir durften mit Absprache der Familie uns lange vor solchen Situationen besprechen. Aber welche Entscheidung man oder die Familie trifft sie ist auf jeden Fall nicht einfach weil man ein Gewissen hat. Mehr darf ich auch nicht mehr sagen da ich immer noch Schweigepflicht habe. Ach so Wünsche vom Patienten ob er in s KH noch mal will sollte man auch mit bedenken. Ampulant ist nicht wie stationäre Pflege. L G A
___________________________________ Liebe Grüße, Edward Young: „Verschwendete Zeit ist Dasein. Gebrauchte Zeit ist Leben.“
Oh Mann, eine hammerharte Geschichte. Für den Mann wäre es besser gewesen, man hätte ihn nicht mehr (teilsweise) ins Leben zurückgeholt. Doch der Arzt mußte wohl nach dem hippokratischen Eid handeln... War für ihn sicherlich auch nicht einfach zu entscheiden bzw. abzuwägen. Im Interesse des Betroffenen hätte er vielleicht anders entscheiden sollen ... aber darf er das??? In seiner Haut hätte ich auch nicht unbedingt stecken wollen in dieser Situation.
nein Betty auch ein Notarzt darfsagen es lohnt nicht mehr an zufangen soll ich oder soll ich es lassen, wenn zu viel Zeit vergangen ist. So ist meine Info von der Weiterbildung und wenn Angeh. sagen schluß wir wollen das nicht mehr nach so einem langen Zeitraum ist jeder jur, abgesichert. Unmittelbar Ereignisse da gibt es keine Frage ob Hilfe da immer. Ich möchte keinen Zweifel lassen auch wir haben wiederbelebt und den Notarzt gerufen! Nur wenn Angehöhrige vor Ort waren und das Ereigniss nicht mitbekommen haben und wir dann erst ne halbe Stunde später zum Patienten kamen, wurde der Notarzt angefordert aber keiner der Angehörigen wollte dann einen behinderten kranken Menschen da liegen haben und dann haben die Arzte den Tot festgestellt. Man kann Familienangeh. ganz sanft an solche Themen was wenn...heranführen das sie sich beraten und absprechen. Mehr nicht!!!!
___________________________________ Liebe Grüße, Edward Young: „Verschwendete Zeit ist Dasein. Gebrauchte Zeit ist Leben.“
Menschlich ist das nicht mehr ...was dieser arme Mann jetzt hat .....man kann nur hoffen ...das die Hirntoten wirklich nichts mehr mit kriegen und das es bald zu Ende geht ..... aber ich denke ..dem Arzt bleibt garnichts anderes übrig , als zu versuchen ,,,,jeden ...wieder zu holen , sonst macht er sich Strafbar
Ich verstehe nicht richtig, es sind wohl laut Gesetz 45 Minuten Reanimationspflicht. Dann erst dürfte eigentlich abgebrochen werden. Da aber ein Gehirn bereits nach 5 Minuten Sauerstoffmangels bleibende Schäden bekommen kann, wie groß sind dann wohl Schäden nach über einer halben Stunde ohne Sauerstoff. Auf der Wachkomastation unseres Hauses lag bis vergangenes Jahr ein Kind, was vierjährig ertrunken war. Sie haben es damals 1 geschlagene Stunde reanimiert - das Ergebnis: 8 Jahre apallisches Syndrom (Wachkoma), bis es dann 12- jährig vom Tod erlöst wurde.
Sollte diese "Pflichtzeit" der Reanimationsdauer nicht aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse reduziert werden können?